Der nachfolgende Artikel erschien im "Echo" am 03.12.2008

Schwärmen von Schwärmen

Ralf Gramlich wird für seine Orni-Schule in Zaberfeld mit dem Paulchen Award ausgezeichnet

Für Vögel hat sich Ralf Gramlich nicht schon immer interessiert. "Als Kind hatte ich mit der Natur eigentlich wenig am Hut", gibt der 46-Jährige zu. Doch als ihn ein Kumpel mit an den alten Neckararm nahm und er Graureiher und eine Erdkröte entdeckte, packte ihn die Leidenschaft. Der Stebbacher trieb seine Passion so weit, dass er am 28. November 2003 die Orni-Schule in Zaberfeld gründete. Genau fünf Jahre später erhielt er für sein Engagement den Paulchen Award von der Paulchen-Tierhilfe in Untergruppenbach. Nachdem das Interesse für die Natur erst einmal geweckt war, vertiefte sich Gramlich immer stärker in das Thema, suchte Anschluss beim damaligen Deutschen Bund für Vogelschutz (DBV), dem heutigen Natur- und Umweltbund (NABU). "Wir hatten halt Ferngläser und damit konnten wir gut Vögel beobachten." Denn das gehe schließlich überall. Das meiste Wissen eignete er sich selbst an. Es sind zahlreiche Einzelheiten, die den gebürtigen Heilbronner an seinen gefiederten Freunden faszinieren. "Vielfalt, Beweglichkeit, Dynamik, Farben und Verhalten im Lebensraum", listet er auf. Allein die Leistungen wie Gesang und Zugverhalten seien beeindruckend.

Ralf Gramlich verbringt seine Zeit gerne mit der Erforschung von Vögeln und will dieses Wissen auch weitergeben.

Begeistert erzählt Gramlich von einem Morgen im Oktober auf dem Michaelsberg bei Cleebronn, als er mit befreundeten Vogelkundlern die zahlreichen Schwärme beobachtete, die sich langsam in Richtung Süden aufmachten. "Man erlebt die Schöpfung auf eine vielfältige Art, im Vergleich dazu kann der Mensch gar nichts außer zerstören." Doch ein Moralapostel will Gramlich nicht sein, Naturkunde und Naturschutz sollten seiner Meinung nach nicht automatisch einhergehen. "Wenn man die Leute sensibilisiert, sie emotional abholt, dann kommt der Gedanke, dass die Umwelt schützenswert ist, von ganz allein." So hält er es auch in seiner Orni-Schule, einer seines Wissens nach bundesweit einmaligen Einrichtung.

Angefangen hat alles mit den Naturerlebnistagen im Zabergäu, bei denen er als Referent für Vogelkunde auftrat. 300 bis 400 Schüler hörten fasziniert zu und Gramlich entdeckte ein ungeheures Potential. "Ich dachte mir, da müsste doch eine Kindergruppe drin sein." Beim Nabu allerdings stieß er damit auf wenig Gegenliebe und so gründete der fünffache Familienvater ? seine Frau Anita hat er beim DBV kennengelernt ? seinen eigenen Verein, die Orni-Schule.

Die Kindergruppe mit 20 Kindern hielt sich immerhin drei Jahre, bis sie sich langsam zerlief. Doch inzwischen hatte Gramlich viele andere Sachen unter dem Motto ?Vögel beobachten macht Spaß? mit ins Programm genommen. 30 Interessierte wurden zum Exkursionsleiter Vogelkunde ausgebildet, ein Nistkastenlehrpfad wird betreut, mit Grundschülern führte er ein Schwalbenprojekt durch, es gibt Ausstellungen, Veranstaltungen bei der Volkshochschule, ein Ferienprogramm und vieles mehr.Die Kindergruppe mit 20 Kindern hielt sich immerhin drei Jahre, bis sie sich langsam zerlief. Doch inzwischen hatte Gramlich viele andere Sachen unter dem Motto "Vögel beobachten macht Spaß" mit ins Programm genommen. 30 Interessierte wurden zum Exkursionsleiter Vogelkunde ausgebildet, ein Nistkastenlehrpfad wird betreut, mit Grundschülern führte er ein Schwalbenprojekt durch, es gibt Ausstellungen, Veranstaltungen bei der Volkshochschule, ein Ferienprogramm und vieles mehr.

Seine Vision ist es, Naturkunde als Dienstleistung anzubieten, erklärt der Baumschulgärtner, der als Pflegetruppleiter im Regierungspräsidium Karlsruhe arbeitet. Denn sich mit der Natur zu beschäftigen, dieses Wissen weiterzugeben und dann zu merken, es kommt bei anderen an, sein einfach sehr befriedigend, sagt Gramlich.