Der nachfolgende Artikel erschien im "Echo" am 18.12.2005

Vollblut-Tierschützer mit Auszeichnung Verletzte Greifvögel und Eulen werden von Helmut Weber (52) gesund gepflegt - "Krankenstation" in Bad Friedrichshall

Im Pappkarton auf dem Tisch quält sich ein Tier. Es hat Schmerzen, denn beide Flügel sind gebrochen. Der Zustand der Eule ist schlecht. Aussichtslos, wie sich bald herausstellt. Behutsam nimmt Helmut Weber das Tier aus dem braunen Karton. Betrachtet, bewertet. Dann weiß er: Hier ist nichts mehr zu machen. "Der Tierarzt wird den Patienten einschläfern", sagt der 52-Jährige traurig. Eine Frau hat den Karton bei der Greifvogelpflegestation abgegeben. Denn in Bad Friedrichshall werden verletzte Tiere versorgt. Oftmals auch vor dem Tod gerettet. Doch Wunder sind nicht immer möglich.

Vergiftungen und Brüche, Unfälle im Straßenverkehr, Unterernährung, Parasitenbefall - Tiere haben die verschiedensten Krankheiten. Beispiel Fußbruch: Dieser wird geröntgt und eingegipst, Medikamente verhelfen zu neuer Kraft. "Die Behandlungen ähneln oftmals denen beim Menschen", sagt Helmut Weber. Auch die Ernährung ist wichtig: Artgerecht muss das Futter sein. Küken, Mäuse, Tauben oder Drohnen stehen auf dem Speiseplan. Ist der Bruch verheilt, wird der Patient mit Krankengymnastik oder Flugtraining auf die Freiheit vorbereitet. "Hat das Tier einen Bluterguss, liegt die Verweildauer bei 14 Tagen. Bei einer Fraktur jedoch kann die Pflege bis zu zwölf Wochen dauern."

Vor 30 Jahren hat Helmut Weber die Pflegestation gegründet. Sie ist schnell gewachsen. Bereits 1980 wurde aus Platzmangel ein Umzug nötig. Die Reise ging vom Stadtteil Hagenbach nach Bad Friedrichshall-Mitte in den Finkenschlag. 115 Greifvögel und Eulen werden hier versorgt - in Käfigen, Volieren und Flugvolieren. Neben Helmut Weber helfen sein Sohn Werner Weber (30) und die 400-Euro-Kraft Susi Wacker mit. "Ich wünsche mir natürlich noch mehr helfende Hände", sagt Helmut Weber. Doch das Ehrenamt steht bei den Menschen nicht mehr so hoch im Kurs. "Und noch mehr bezahlen können wir nicht."

Finanziert wird die "Greifvogelpflegestation des Nabu Bad Friedrichshall", so der vollständige Name, vom Land Baden-Württemberg. 16.000 Euro steuert es bei, doch 24.000 werden pro Jahr gebraucht. 285 Miglieder des Fördervereins sorgen mit ihren Beiträgen dafür, dass diese Summe zusammenkommt.

Aus Baden-Württemberg und darüber hinaus werden verletzte Tiere gemeldet - von Privatleuten, Polizei, Stadtverwaltungen. Rund 14.000 Kilometer legt Helmut Weber pro Jahr zurück, um die Tiere abzuholen. Denn nicht alle werden in Bad Friedrichshall angeliefert. Wenn er Pflegezeiten, Putzarbeiten, Tier-Abholungen und Verwaltungsdienst addiert, kommen 30 Stunden die Woche zusammen. Weber: "Ich mache das gern. Es tut mir einfach weh, verletzte Tiere zu sehen." Dia-Vorträge, Schulklassenbesuche, Tage der offenen Tür - Helmut Weber organisiert dies alles. Alles kostenlos. Alles neben seinem Beruf als Lehr-Rettungsassistent beim Deutschen Roten Kreuz Heilbronn. Als Dank für sein unermüdliches Engagement wurde ihm Ende November der mit 1.500 Euro dotierte "Paulchen Award" verliehen - eine Auszeichnung des Paulchen-Tierhilfe-Vereins, die jährlich an ehrenamtliche Tierschützer vergeben wird. "Dieser Preis bedeutet mir sehr viel", sagt Helmut Weber. Der Geldbetrag erleichtere die Arbeit in der Pflegestation.

Weber ist zudem Träger der Goldenen Nabu-Ehrennadel und im Besitz der Goldenen Ehrenmünze der Stadt Bad Friedrichshall. Sein Wissen über Greifvögel und Eulen hat sich Helmut Weber selbst angeeignet. "Ich habe Tierärzten geholfen und Fachliteratur gepaukt." Mittlerweile ist er zu einem der Greifvogelexperten der Region geworden. Sogar die Staatsanwaltschaft Heilbronn vertraut auf seine Dienste bei der Bestimmung von Vogelarten. Besonders schlimm für den Tierschützer: "Viele Menschen sitzen nur noch vor dem PC und gehen mit Scheuklappen durch die Natur." Es ist auch schon vorgekommen, dass Spaziergänger verletzte Vögel finden und diese dann falsch behandeln. Daher Webers Aufruf: "Bitte niemals mit den Tieren herumexperimentieren. Wer einen verletzten Vogel findet, sollte ihn zu mir in die Station bringen." Kontakt zur Greifvogelpflegestation, Im Finkenschlag 2, 74177 Bad Friedrichshall, über Telefon 07136/912414, 0171/2161385, 0160/97877937 oder im Internet www.greifvogelpflege.de