Der nachfolgende Artikel erschien in der "Heilbronner Stimme" am 03.12.2007

Alte Haustierrassen erhalten
Untergruppenbach - Hartmut und Silvia Krammer vom Kraichgauer Arche-Hof erhalten Paulchen Award 2007

Fünf Diepholzer Weidegänse schnattern. Zwei Hinterwälder Rinder vertilgen genüsslich Heu. 14 Coburger Fuchsschafe fühlen sich auf der Weide wohl. Zum Hof gehören auch tausende von dunklen Bienen und ein altdeutscher Hütehund. Hartmut und Silvia Krammer aus Eppingen-Mühlbach betreiben den Kraichgauer Arche-Hof. Für ihr Engagement zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen halten sie erfreut den Paulchen Award 2007 in den Händen.

von links: Matthias Hoyer, Silvia und Hartmut Krammer mit dem Preis.

"Wir suchen Menschen, die sich selbstlos um Tiere kümmern", sagt Matthias Hoyer, Vorsitzender von Paulchen Tierhilfe, bei der Preisverleihung am Freitagabend im Untergruppenbacher Rathaus. Zum sechsten Mal würdigt der Verein besondere Initiativen, mit welchen Tieren aus der freien Natur oder Haustieren geholfen wird. "Wir sind keine Tierschützer, wir nehmen keine Tiere auf", unterstreicht der Vereinschef.

Visionen Warum fiel die Wahl 2007 auf den von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) im Jahr 2005 zertifizierten Arche-Hof in Mühlbach? "Der Mann hat Visionen" sagt Hoyer. Natur, Tier und Mensch würden immer als Ganzes gesehen. Große Statur, lange, zum Pferdeschwanz zusammengebundene Haare, freundliches Lächeln und viele Ideen. Hartmut Krammer fällt immer sofort auf. Er möchte "das Paradies schon auf Erden, nicht im Himmel". Unterstützt von Ehefrau Silvia, die in den Hof voll einbezogen ist. Hauptberuflich betreiben sie ein Gesundheitszentrum in Eppingen. Unter einem weißen Tuch ist der Paulchen Award verborgen, den wiederum Josef Kuckert aus Böckingen kreiert hat. Stets ein Uniakt: Paulchen das Kaninchen und Rocky der Igel. Erfreut nehmen die Krammers die Auszeichnung von Hoyer entgegen. Und den Scheck mit einem Preisgeld von 2000 Euro. Dafür haben die Vereinsmitglieder das ganze Jahr über Spenden gesammelt. Hoyer hat als Auktionator der besonderen Art viele Dinge versteigert. "Alles, was wir erwirtschaften, geben wir weiter", unterstreicht der Vorsitzende. Die Preisträger haben sich dafür entschieden, dass das Preisgeld je zur Hälfte an die Projekte dunkle Biene und Schwarzwald Ziege der GEH geht.

Für die CDU-Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch ist die Erhaltung der genetischen Vielfalt von Haustierrassen ein sehr "wertvolles Kulturgut". Mit viel Idealismus trage Hartmut Krammer in tierschutzgerechter Weise dazu bei. Arche-Höfe seien ein Bestandteil der bäuerlichen Kultur. Auch für Eduard Muckle, Baubürgermeister in Eppingen, ist der Erhalt alter Rassen ein wichtiger Punkt. Er freut sich, dass das Ehepaar Krammer dafür ausgezeichnet wird. Nach einem TV-Film über den Kraichgauer Hof mit den robusten Urviechern sagt Krammer: "Wir freuen uns, dass Paulchens Tierhilfe mit dem Finger auf uns gezeigt hat." Das gebe Ansporn. Artgerechte Haltung, Tiere so lange wie möglich auf der Weide halten, Vatertierhaltung und Füttern ohne Kraftfutter sind für Krammer wichtig. Auf dem Hofgelände hat er 150 alte Obstsorten gepflanzt, um die Kulturlandschaft zu erhalten. "Old McDonald had a farm" textet Birgitta Stern in einem Refrain auch auf den Arche-Hof in Mühlbach um. Die Sängerin erhält für ihre einfühlsamen und spritzigen Darbietungen sehr großen Beifall.

Stichwort Arche-Hof
In Deutschland stehen über 90 Nutztierrassen auf der Roten Liste. Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Nutztierrassen (GEH) engagiert sich seit 1981. Das Arche-Hof-Projekt wurde 1995 von der GEH ins Leben gerufen. Sie betreut heute bundesweit über 70 Höfe. Die Arche-Höfe verstehen sich als Tierhalter, die vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen in ihr Betriebskonzept integrieren.