Der nachfolgende Artikel erschien in der "Heilbronner Stimme" am 04.12.2002

Fauler Hase und verletzter Marder
Von Klaus Thomas Heck

Als Imbiss gibt's Hase und Igel. In Kuchenform. Auf dem Tisch liegen die beiden nochmal: Langohr "Paulchen" und der stachelige " Rocky" als Keramikfiguren an einem Holzstecken. Dazu Hasen-Hemden, Hasen-Mützen. Wenn die Untergruppenbacher Paulchen Tierhilfe ihren " Paulchen Award" verleiht, ist das drollig und ernst zugleich.

Seit Ende vergangenen Jahres gibt es den Verein, der in den nächsten Tagen vom Finanzamt die Gemeinnützigkeit anerkannt bekommt. "Wir haben acht Mitglieder", sagt Matthias Hoyer, der erste Vorsitzende. Die Paulchen Tierhilfe ist so etwas wie das ganz persönliche Andenken an seine Frau Renate, die im August 2001 starb. Eine Tierfreundin durch und durch. "Ich möchte ihr Engagement fortführen."

Mit dem "Paulchen Award" möchte der Verein besonders selbstlose Tierfreunde auszeichnen. Paulchen, so heißt der schwarzweiße Hase, den die Hoyers vor ein paar Jahren von Tierschützern gebracht bekamen. In einem Erdloch war er gehalten worden, doch die Untergruppenbacher päppelten das Tier wieder auf. "Viel Geld haben wir für Paulchen beim Tierarzt gelassen. Aber heute ist er faul, verfressen und hat ein Kilo Übergewicht."

Einem ist an diesem Samstag nicht ganz wohl zumute. "Dass ich so einen Preis bekomme, ist mir schon suspekt", sagt Carsten Posmik. "Tierliebe ist doch eigentlich ganz selbstverständlich."

Dabei hat der Heilbronner mehr getan: Im vergangenen Jahr fanden die Hoyers ein verletztes Marder-Weibchen im Wald. Ein Jungtier, fünf oder sechs Monate alt, mit einer Kopfverletzung. Vielleicht von Artgenossen, vielleicht von Hunden oder Katzen. Totschlagen, empfahlen Passanten. Andere wollten das Tier gleich wieder im Wald aussetzen."Wir wussten erstmal nicht, wohin damit", erzählt Hoyer.

Dann stießen sie auf Posmik, der als Forstwirt in Unterheinriet arbeitet. Der 35-Jährige griff zum Telefon: Tagelang kämpfte er um einen Pflegeplatz für Felicitas, das Marder-Mädchen. Zoos, Tierheime, es hagelte Absagen. "Marder fressen Autoschläuche an, um diese Tiere kümmert sich kein Mensch."

Während Posmiks Telefonrechnung kletterte und kletterte, gehörte Felicitas praktisch zur Familie. Weil Marder nachtaktiv sind, " haben wir sie nachts, wenn sie im Käfig randalierte, durch die Wohnung springen lassen". Schlafen? "Kaum möglich." Heute hat Posmik eine 15-monatige Tochter, "da war Felicitas genau das richtige Training".

Mit 500 Euro aus Hoyers Privatschatulle ist der "Paulchen Award " dotiert. Eine Summe, die Posmik an eine Tierschutzorganisation spenden muss. Schwer fiel die Wahl nicht: Das Geld fließt an " Tierart", eine Tier- und Artenschutzstation in Rheinland-Pfalz. Dort lebt Felicitas heute.

Vielleicht. Nach ein paar Wochen in der Station wurde sie auf dem ehemaligen Militärgelände ausgewildert. "Seitdem entdecken wir in den alten Bunkern hin und wieder frische Marderspuren", sagt Tierart-Leiterin Heike Finke. "Kann sein, dass Felicitas in unseren Wäldern immer noch herumspringt."