Der nachfolgende Artikel erschien in der "Heilbronner Stimme" am 28.11.2005

Der Greifvogelexperte Helmut Weber aus Bad Friedrichshall erhält "Paulchen Award" und wird Zweiter bei Landeswettbewerb
Er macht aus hilflosen Patienten starke Jäger

Schleiereulen, Sperber, Schwäne: Seit 30 Jahren kümmert sich der Bad Friedrichshaller Helmut Weber um verletzte Vögel. Dieses Engagement wurde jetzt gleich doppelt gewürdigt. Der Leiter der Nabu-Greifvogelpflegestation erhielt am Samstag in Untergruppenbach den Tierschutzpreis "Paulchen Award" und belegte den zweiten Platz beim Ehrenamtswettbewerb des Landes.

In Baden-Württemberg gibt es nur zwei offiziell anerkannte Pflegestationen für Greifvögel. Eine davon steht in Bad Friedrichshall. Eng mit dieser Einrichtung verbunden ist der Name Helmut Weber. Er hat sie vor 30 Jahren gegründet. Die Patienten: angefahrene Bussarde, an Hochspannungsleitungen verletzte Eulen, abgemagerte Falken. "Wir betreuen aber auch viele Kleinvögel", sagt Weber und nennt Zahlen: Im Jahr 2004 kümmerten sich Weber, sein Sohn Werner und eine 300-Euro-Kraft um 700 Greifvögel und Eulen. Dazu kommen 400 andere Federträger. In den 30 Jahren sind laut Weber über 23 000 Vögel gepflegt worden. "Wir haben die beste Erfolgsquote in Deutschland", erklärt der 52-Jährige. Der hauptberufliche Rettungssanitäter ist pro Woche 25 bis 30 Stunden mit den Vögeln beschäftigt. Zwischen 80 und 85 Prozent der Tiere konnten wieder freigelassen werden.

Eine überzeugende Arbeit. Das finden die Mitglieder des Untergruppenbacher Vereins "Paulchen Tierhilfe". "Es hat sich rasch abgezeichnet, dass der Preis dieses Jahr an Helmut Weber gehen soll", erklärt der Vorsitzende Matthias Hoyer. Die Entscheidung sei einstimmig gefallen. Die "Paulchen Tierhilfe" würdigt Menschen, die sich ehrenamtlich für Haus- und Wildtiere einsetzen. Der Preis ist mit 1500 Euro dotiert. Das ganze Jahr über arbeiten die Vereinsmitglieder, etwa bei Straßenfesten oder Adventsmärkten, um diese Summe zusammenzubekommen. "Wir hätten das Preisgeld auch dieses Jahr gerne wieder erhöht. Aber es ging einfach nicht", sagt Hoyer. Es werde immer schwieriger, an Spenden zu kommen. Den Preis nimmt am Samstag Werner Weber entgegen, der selbst seit 20 Jahren in der Station arbeitet. Sein Vater hütete krank das Bett.

Auch die Bürger des Landes halten die Arbeit der Pflegestation, die unter der Schirmherrschaft des Nabu steht, für wichtig. Sie wählten Weber beim Landeswettbewerb "Echt gut" auf den zweiten Platz in der Kategorie "Umwelt und Natur". Und das bei rund 400 Konkurrenten. Die Staatssekretärin und CDU-Landtagsabgeordnete Friedlinde Gurr-Hirsch: "Wir freuen uns über die Kompetenz, die sich Ehrenamtliche aneignen." Der Landespreis ist mit einem Scheck über 500 Euro verbunden.

Die insgesamt 2000 Euro kann Helmut Weber gut gebrauchen. Er stecke alles in die Pflegestation. Diese verursache jährliche Ausgaben von rund 24 000 Euro. Bis zum Jahr 2004 zahlte das Land 8000 Euro im Jahr. Mit der Unterstützung von Landtagsabgeordneten der Region erreichte Weber, dass dieser Zuschuss verdoppelt wurde. "Es ist immer noch hart genug, die restliche Lücke mit Spenden und Erlösen aus Veranstaltungen zu schlie6szlig;en." Über die Auszeichnung freut sich Weber: "Ich bin überwältigt." Die Station ist unter der Telefonnummer 07136/912414 zu erreichen.