Der nachfolgende Artikel erschien im "Echo" am 29.11.2009

Mehr als ein Faible für Vierbeiner

Einträchtig haben es sich Hund und Katz rund um den Küchentisch von Nicole Saemann gemütlich gemacht. Mit Ausnahme von Mona Lisa sind alle der insgesamt vier Katzen sowie die Hunde Argos und Timmy äußerst neugierig auf den Besuch. Die friedliche Koexistenz von Tieren hat in Saemanns Haushalt Tradition. "Mein damaliger Hund Asco hat 1995 die erste Katze quasi mitgebracht." Daran hat sich seither ebenso wenig verändert wie an der langjährigen Leidenschaft der Hardthausenerin für Vierbeiner.

Die Unterstützung eines Hilfstransports für herrenlose Hunde in L'Aquila brachte der 38-Jährigen nun den Paulchen-Award ein. Gemeinsam mit der Projektinitiatorin Annett Groddek, die im September einen LKW mit Futter und anderen Gütern in die italienische Erdbebenregion gesteuert hatte, durfte sie am Freitag die Auszeichnung der Paulchen Tierhilfe in Untergruppenbach entgegennehmen. Der mit 2.500 Euro dotierte Preis wird an Menschen verliehen, die sich außergewöhnlich und selbstlos für Tiere einsetzen.

Zwei schildkröten - mehr war in Saemanns Elternhaus in Brettach nicht erlaubt. Aber Nachbarshund Bully weckte ihr Faible für Hunde. Als Kind war sie so oft mit dem Schäferhund unterwegs, dass viele dachten, Bully gehöre ihr. "Das Schöne war, dass ich ihm alles erzählen konnte, denn er konnte mich nicht verraten." Ihr erster eigener Hund stammte auch aus dem Bekanntenkreis. Die Besitzerin von Blanka war gestorben. "Ich habe den Hund dann aus dem Heilbronner Tierheim geholt." Nach einem Jahr musste das Tier jedoch eingeschläfert werden. "Ich wollte danach keinen Hund mehr, hielt es aber nur einen Monat aus." Die damals 20-Jährige half ehrenamtlich im Tierheim aus. Dabei wurde ihr Talent im Umgang mit schwierigen Hunden entdeckt.

Rund 50 Tiere nahm Saemann in den folgenden Jahren zu sich, um sie zu erziehen und zu vermitteln. Für fast alle fand sie ein neues Zuhause. Erziehungsmethode: "Reines Gespür, Intuition, siebter Sinn - ich weiß es nicht." Der einzige hartnäckige Fall, Irish-Setter-Afghane Asco, durfte bei ihr bleiben. Aus der Nachberatung der Hundebesitzer entstand die Idee zur Gründung einer Hundeschule. Das Hobby der kaufmännischen Angestellten wurde Nebenberuf.

Eine Kundin machte sie 2003 auf die schwierigen Lebensbedingungen von streunenden Hunden auf Teneriffa aufmerksam. Fortan war Saemann im Auslandstierschutz aktiv. Etwa 300 Tiere aus Spanien, Italien und Griechenland hat sie in den deutschsprachigen Raum vermittelt. Argos - benannt nach dem treuen Hund des Odysseus - und Timmy stammen beide aus Griechenland. Saemann arbeitete lange in Vereinen, agiert inzwischen aber nur noch punktuell. Schwerpunkt Vierbeiner. "Mit einer Schlange hätte ich ein Problem", sagt sie und lacht.

Über die Tierhilfe Chalkidiki lernte sie Annett Groddek kennen, zunächst via Internet und SMS. Persönlich traf Saemann die 46-Jährige, die Bühnenausrüstung durch ganz Europa fährt, erstmals vor zwei Jahren bei einem Konzert in Heilbronn. Als im Sommer die Anfrage zur Einrichtung einer Sammelstelle kam, zögerte Saemann keine Sekunde. Die Garage des Einfamilienhauses in Kochersteinsfeld wurde zum Zwischenlager für 600 Kilogramm Futter, Hütten, Körbe und Decken. Nachbarn halfen am 9. September beim nächtlichen Transport ins Neuenstädter Gewerbegebiet, wo Groddek die Hilfsgüter entgegennahm. 14 Tonnen waren das Gesamtergebnis der Tour durch die Bundesrepublik. Saemann: "Die Empfänger im Tierheim von L'Aquila und alle Beteiligten waren vom Ergebnis überwältigt."

Der Grossteil des Preisgelds komme erneut dem italienischen Tierheim zugute. "Noch vor dem Winter sollen weitere Hundehütten geliefert werden." Neben der Möglichkeit, mit dem Geld weiter helfen zu können, freut sich Saemann über die Anerkennung durch Menschen, die eher selten sei. Von Tieren werde sie oft gewürdigt: "Wenn die Hunde zu mir kommen, ist ihr Blick stumpf. Nach wenigen Tagen leuchten dann ihre Augen."